Ich hatte Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch an mich. Danke dafür auch an mich. Wein gabs nicht, da war ich schlicht zu geizig für. Ich habe mich stattdessen von meinen werten Eltern auf Cocktails und Chicken Wings einladen lassen. Das reichte mir auch zum zwanzigsten Lebensjahr. Mehr brauche ich nicht. Weder Restaurantbesuche noch Cocktails. Aber Wein, den würde ich trotzdem ganz gern trinken.
Als Nachgeburtstagsgetränk gab es am Ostersonntag, beim Frühstück mit Oma, eine Flasche Saar Riesling Feinherb vom Weingut Von Hövel (Danke Paul, danke Max), die allen voran meiner Großmutter schmeckte. Wohlbemerkt der erste meiner Weine, der meiner Großmutter schmeckte. Das war schon beeindruckend genug und wahrscheinlich ein besseres Geburtstagsgeschenk als es mir die meisten machen konnten. Insgesamt bekam ich zwölf Flaschen Wein vom Weingut Von Hövel. Z-W-Ö-L-F. Darunter acht Flaschen Kabinett aus diversen Jahrgängen, ein paar gute Gutsweine und ein verdammtes Scharzhofberg GG. EIN SCHARZHOFBERG GG! Das ist DER Weinberg! Einfach so. Angekommen ist das Paket vier Tage vor meinem Geburtstag, also wieder ein Mal: Herzlichen Glückwunsch an mich. Ach so, und natürlich danke für dieses perfekte Timing.
An dieser Stelle wäre mein Geburtstag schon großartig genug gewesen. 12 Flaschen Wein, Chicken Wings, Cocktails und eine Oma die nicht mit enttäuschten oder hasserfüllten Blicken in meine Richtung schielt. Aber ein gewisser Gero Klein setzt noch mal saftig einen obendrauf, wie der Chefkonditor der die Kirsche auf die Tortenspitze haut.
Sturzdekantiert sagte schon mal, dass er mir gerne etwas zukommen lassen wolle. Damals war die Meinung noch gängig, dass ich noch mal Weine des gerade verstorbenen Friedrich Beckers verkosten sollte, also wollte er mir ursprünglich einen Wein dieses Weinguts zuschicken. Dann traf es uns aber beide wie ein interdimensionaler Blitz mit sehr lang nach hallendem Donner, die Gerüchte und Berichte die sich um einen Friedrich Becker Senior und Junior ranken sind Suppen-versäuernd und Kabinett-entsüßend, schlichtweg unangenehm. Er sucht also nach etwas neuem. Aber was das ist? Keine Ahnung. Ein bisschen Zeit vergeht und der Gedanke an den verrückten Weinblogger der mir Wein schenken möchte geht flöten. Bis zu meinem Geburtstag, als Gero dann nach meiner Adresse verlangte.
Und eine Woche später steht Wein vor meiner Tür. Naja eigentlich steht der Wein in der Poststation beim lokalen LIDL und wartet darauf, dass ich ihn abholen komme. Im Paket sind drei Flaschen.
1: Silvaner X.T. Natural vom Weingut Gunderloch.
2. DNA Weiß vom Weingut Siegloch
und
3. Piemonte Rosso ‚Fuori Catalogo‘ vom Weingut Montalbera
Dazu einen durchaus sehr persönlichen Brief in dem die Weinauswahl noch mal richtig erklärt wird, warum die Weine interessant sind, warum ich sie trinken sollte und wann. Es sind drei Flaschen die Gero für mich ausgewählt hat, wo er all die Sachen berücksichtigt, die ich über das letzte Jahr verteilt so von mir gegen habe. Was genau drin steht, das bleibt unter uns. Aber so wild ist es nicht, keine Sorge.
Die erste Flasche ist mittlerweile schon geöffnet, verputzt und versiegelt, es war der Silvaner X.T. vom Weingut Gunderloch. Ein Naturwein. Igitt. Nachhaltiger Wein, moderne Ideen, unkonventionelle Denkweisen. Aber genau das war der Grund warum ich die Flasche bekommen habe; meinen Horizont (weiter) erweitern. Die Nase zeigt sich anfangs reduktiv doch fruchtig und mineralisch, komplex wenn auch nicht übertrieben. Im geschmack hat man 11,5% Alkohol und eine brettharte Säure, dazu gefühlt sogar ein leichtes Tannin. Insgesamt ein ungewohntes aber interessantes Spiel aus Balance und Mundgefühl. Dass Gunderloch Silvaner produziert weiß ich auch erst seit Donnerstag, also seit dem Moment in welchem ich das Paket geöffnet habe.
Ich danke dir Gero, ein tolles Geburtstagsgeschenk. 🙂