Vogelfrei White und Jakoby Mathy 1994 (Drei Komische Weine)

Dry January (10-2×3+4 Flaschen)

Zum Dry January wurde mittlerweile alles gesagt und gememet und gehatet, was nicht niet und nagelfest oder bei drei auf den Bäumen war. Ich habe nichts zu bieten außer meinen Wortbeitrag zu der Unnötigkeit einiger Kommentare, die man teils im Internet liest. Ich bildete mir tatsächlich ein, schon ein Mal etwas über diesen Witz einer Gesundheitsinitiative geschrieben zu haben, kann diese Caption oder den post oder whatever das war aber einfach nicht mehr finden. Schade drum. Mein Credo zu der Sache ist, dass ein Monat safe mal nice ist, aber es mit Sicherheit mehr Sinn macht einfach regelmäßiger nix zu saufen, anstatt 31 Tage Abstinenz zu pflegen nur um sich dann wieder all-wöchentlich die Rohre zu versiegeln. Trinkt weniger – trinkt besser. Und ja, zu sagen, dass dies ein lausiger Versuch am gesund-sein ist, ist falsch. Gesund ist es sowieso.

Mich nerven nur, man liest es bei jedem Blogger mit Verstand, die andauernden Memes á la „Ich trinke doch eh nur Dry wueheheheheh“ und „Ich ziehe dieses Jahr Dry January durch, nur noch trockene GGs lelelelele“. Leute peinlicher geht es doch gar nicht mehr, was bringt euch das? Und was bringt es mir, dir, dem da hinten, und dem Heinz hinter der Theke, sich darüber aufzuregen? Am Ende streiten sich die drei Seiten, also die trockenen, die billig-memer und die egal-fraktion, wieder darüber, wer der geilste ist. Was eine Welt Social Media doch geschaffen hat.

Mein Januar war trockener als letztes Jahr, bis auf dieses eine Wochenende mit Kemker Kultuur und der ganzen Chose gab es keinen einzigen Tropfen Wein. Das sei aber weniger meiner bewussten Lebensweise sondern viel mehr meines körperlichen Temporär-Zerfall geschuldet, die meiste Zeit war ich nämlich so absonderlich vergrippt, dass ich nicht mal mehr gerade stehen konnte. Wein ist da nicht drin, so gern ich auch wollte.

The Sadie Family – Vogelfrei White 2023

Was für ein skurriler Wein. Laut der Flasche ist das ‚bottled curiosity‘; ich finde das trifft es sogar sehr gut. Ein Field Blend, oder gut bürgerlich ein gemischter Satz, aus 14 Rebsorten von irgendeinem einsamen Weinberg mitten im Swartland. Eben Sadie wird wissen welcher es war. Die Rebsorten lauten wie folgt: Chenin Blanc, Grenache Blanc, Palomino, Vermentino, Assyrtiko, Viognier, Colombar, Verdellho, Clairette Blanche, Roussanne, Marsanne, Piqpoul Blanc, Grillo und Cinsault Blanc. Die grobe Mehrheit davon kenne ich nicht, was ist Colombar, was ist Clairette Blanche, seit wann gibt es weißen Grenache, und wer baut Grillo in Südafrika an?

On the nose, wie ich es auf Englisch zu sagen pflege, kommt der Wein mit Marzipan, Mineralik, Salz und einer Prise Frucht, so kandierte Äpfel, Birnen, Mangos und all das. Interessant. Erinnert mich tatsächlich auf eine Art an den Ferrum Chardonnay von Crystallum, auf eine Weise haben die Weine eine ähnliche Frische und Leichtigkeit in sich. Geschmacklich dann mineralisch, salzig, fruchtig und grippy. Säure auf mittlerem Stockwerk (2. Etage roundabout) und phenolisch strukturiert. Ordentlich crazy.

Weingut Jakoby Mathy – Kinheimer Hubertuslay Riesling Kabinett 1994

Ein viel zu langer Name für einen Wein der auch kurz beschrieben werden kann. Gekauft habe ich diese Flasche im Rieslinghaus Bernkastel, aka dem Weinhaus Porn, nach einer durchzechten Nacht mit ebensolcher Flasche. Im Regal starrte mich das Etikett an, die Zahl 1994 ragte heraus, und der Preis… 19,50€. Wow. Sensationsgeil wie ich bin musste ich natürlich sofort eine Flasche mit aufs Zimmer nehmen (das Hotel im Rieslinghaus ist verdammt grandios, ich liebe es), und sie allein runtertrinken. Scheiße war das geil. Dabei schaute ich Alles Steht Kopf (den ersten) und starrte aus dem Fenster auf die Gasse vor der Ladenfassade. Was für ein schöner Ort, für piepapo 60€ die Nacht unschlagbar.

Die aktuelle Flasche lag knapp ein halbes Jahr in meinem eigenen Keller bevor diese ermordet wurde. Nase war typisch Kabinett, leicht, fruchtig, aber nicht frisch. Die Frische muss ich in den letzten 30 Jahren irgendwann verabschiedet haben, stattdessen sind die Tertiäraromen eingezogen, Karamell, Salz, Salzkaramell, Honig, und natürlich Frucht. Da waren ausgeprägte Zitronen, wie Limo mit ohne Kohlensäure. Säure vorhanden aber nicht mörderisch, tastewise auch eher zurück gehalten, trotzdem enorm spannend. Ein unglaublicher Deal für 19,50€.

Die Flasche im besagten Hotel mit der besagten Gasse vor dem Fenster.

Alonso & Pedrajo – Rioja Blanco Reserva ‚Suañé‘ 2019

Last but not least but actually least but actually not? Rioja ist eine der Domains in meiner Weinreise die ich fast komplett ignoriere, trotz offensichtlicher Preis-Leistung. Ein Blindspot, ein Weißer Fleck auf meiner Landkarte, eine entrissene Seite in meiner Life Story. Der Wein Suane von Alonso & Pedrajo, aus dem Jahrgang 2019, ist eine Cuvee aus 75% Viura und 25% Sauvignon, hat mit Sicherheit viel Zeit im Holz verbracht und ist Rioja-regelkonform hergestellt worden. Wie gesagt, Blindspot und so. Den Wein werden die Konstantin Baum Groupies mit Sicherheit schon kennen, von Papa Pappel hat er nämlich 98 Punkte bekommen, und er kostet piepapo 28€. Gut.

Farbe ist bräunlich oder rötlich, sehr dunkel und karamellig. Das erste was ich finde ist eine ziemlich fette Reduktion, dann Karamell und Zuckerrübensirup. Unerwartet anders als mein geliebter weißer LdH, weniger oxidativ, verschlossener, aber komplexer. Reife Äpfel, Marmelade, Mineralität. Im Geschmack das gleiche Spiel, hohe Säure, viel Reife, viel Holz. Leichtes Tannin viel Grip, viel Dichte. Spannend. Als diese Flasche rausgeholt wurde war der Ende des Abends schon erreicht, deswegen beließ ich es bei 2 Gläsern. Dennoch wirklich grandioser Wein. Kaufen. Kaufen. Kaufen.

Ende

Danke fürs zuhören und lesen, wie immer. Dry January ist jetzt over and out, zum Glück ist der Beitrag noch zeitlich fertig geworden, sonst würde ich mich in Grund und Boden schämen. Stay safe, schaut immer links, rechts und gerade aus und trinkt nicht zu viel 30 Jahre alten Kabinett, außer ihr seid im Rieslinghaus.

Ciao.

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Who has favorites anyway?
I was absent but the website changed, I bought wine and drank some of it, it was great!
Dayum son, would you really do that?!

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