Das Weekend ist im fünften Gang und der Frühling wirft seine ersten Schatten voraus. Heute waren es sogar sage und schreibe 16°C, ich war mit dem T-Shirt draußen, habe meinen Muskateller Versuchsweinberg im Garten beschnitten, und auch wenn das nur zwei verwahrloste mini-Reben sind, hatte ich Gaudi jenseits aller weltlichen Privilegien.
Am Donnerstag waren es 8°C, aber die ganze Woche schon scheint die Sonne. Sie scheint und scheint und scheint, und ich bin so verdammt zufrieden weil die Sonne scheint. Endlich weg vom immergleichen Grau und Schwarz, schluss mit Winterblues und Seasonal depression; Ich will endlich Sommer haben und draußen intravenös eiskalten Wein und Sauerbier verabreicht bekommen. Die Motivation ist through the roof und meine Lust auf verdammt guten Wein im Garten ist unermesslich. Ich will endlich wieder verkosten, schreiben, erleben und kennen lernen. Jetzt sind es noch drei Wochen bis zum Weinsalon Natürel und bis zur Prowein, auch drei wochen bis ich meinen ersten Ganevat probiere, und ich bin so motiviert darauf, fünf Tage am Stück solch berstende Säure und Tannine auf meine Zahnluke zu schütten, dass ich sie genau so gut präventiv ausreißen könnte.
Bis dahin gibt es aber noch mindestens zwei Texte auf dieser Seite und den ein oder anderen Budget-Wine aus meiner Azubi-Kollektion. Den Anfang macht heute:
KARL HAIDLE – STETTEN LEMBERGER 2022
Das Weingut Karl Haidle, bzw. Moritz Haidle, arbeitet zu 100% Biologisch, Demeter certified, Biodynamisch, und sonst noch was. Diesen Wein kaufte ich letzten Dezember, eigentlich sollte er als Teil eines Line Ups verwurstet werden, aber aufgrund des altbekannten Problems „Mehr Wein als Menschen“ musste ich ihn streichen. Der Stetten Lemberger ist ein Ortswein und kommt, wer hätte es geahnt, zu 100% aus Stettener Weinbergen. Dass diese Traube im Volksmund eigentlich Blaufränkisch heißt sollte jeder wissen, und auch dass sie verdammt underrated ist; m.m.n. ist Blaufränkisch eine der großen 10 (wenn nicht sogar 5) roten Reben, und wird viel zu selten getrunken, gar gefeiert.
Die Nase kommt sexy fruchtig, da sind Kirschen, Pflaumen, Himbeeren und Erdbeeren, generell eher rötliche Frucht und Waldfrucht, aber dahinter findet man noch einen leicht zurückhaltenden Touch an Pfeffer. Absolut Sexy, und an Day 2 noch viel besser. Beim Zungenkuss prickelt es, die Säure ist Raketen-artig auf to the moon Basis, insgesamt weiterhin fruchtlastig, aber auch leicht Terroir-getrieben und wieder mit diesem Pfeffer. Tannine so sanft wie das Fell meiner Katze und ein Körper in den man sich verlieben möchte. GlouGlou vom allerfeinsten.
Manche Leute brauchen Ganevat für Süffigkeit oder Gabrio Bini für Trinkspaß, aber mir reicht Lemberger aus Stetten. Stay Humble.
Ontop of that gab es noch einen Riesling „um das Wetter zu genießen“ (glaubt dem kein Wort), welcher da wäre:
A.J. ADAM – IM PFARRGARTEN 2023
Die Notes hierzu im Schnelldurchlauf; Nase ist typisch Riesling, Zitrusgetrieben mit einem Touch an tropischem Durstlöscher, süßlich, sehr an einen Kabinett erinnernd. On the palate: Moderate bis hohe Säure, definitiv am oberen Spektrum der feinherben Rieslinge angesiedelt, weiter fruchtig, meist zitrisch aber weiterhin mit diesem tropischen Hauch an etwas. Insgesamt mal wieder Bombe, vielleicht nicht der aller beste Wein für die 12€, aber ein grandioser Kabinett Ersatz, besonders wenn die günstigsten Kabis bald schon 15€+ aufrufen. WUCHER!
Joa. Danke fürs Lesen und so. Ciao.