Guten Morgen, Mittag oder Abend meine allerliebsten Freunde. Zwar liest sich das hier eh kaum jemand durch, sollte ich jedoch eines Tages in unvorstellbarer Berühmtheit, gar weltweitem Fame schwimmen, sollen die Leute meine Entscheidungen nachvollziehen können. Short stories sollten hier aber reichen; Diese elustre Internetseite ist nun konvertiert, weg vom Angelsächsischen und rein in das Muttersprachliche, Germanische. Mir war der Versuch, mich mit meinen next Level englisch Skills und halbgarer Poesie in die Weinbekanntheit auf internationalen Gewässern zu katapultieren nun lang genug, und es war einfach verdammt nervig. Englisch ist, das konnte ich in diesen paar Monaten erfahren, einfach ne ziemlich abgefuckte Sprache wenn man diese nicht als Native Language in die Wiege gelegt bekommen hatte, wo ist die Tiefe, die ich im deutschen so liebe, wo ist die Poesie, wo ist das Farbspektrum mit dem ich jeden Buchstaben anders anmalen kann? Im Englischen, jedenfalls mit meinen Fähigkeiten, war es einfach immer alles nach dem Motto „This is great, tastes like X, Y and Z, it cost this much, buy it“, und das klingt doch einfach nicht verlockend, oder etwa doch? Auf Deutsch kann ich Tiefe Furchen und Abgründe, Ecken, Kurven, Kreuzungen und Labyrinthe in meine Sätze einbauen, jedes Wort anders klingen lassen, oder gar besser gesagt: ich kann mich selbst besser ausdrücken. Ich habe Posts auf Instagram gemacht, und Texte auf meine Seite sliden lassen, letztenendes kam ich sogar auf die Idee Videos über Wein zu machen, ein Thema welches ehrlicherweise schon so ausgelutscht ist wie kein anderes, und junge junge junge, ich bin nicht für die Kamera gemacht, jedenfalls nicht auf Englisch. Ich bin noch nie zuvor so Nervös vor mir selbst gewesen, dass ich bald zitternd vor meinem Handy saß und versuchte über einen Wein zu erzählen. Vor allem wollte ich dann meistens alle Facetten einer Flasche aufzeigen, aber am Ende rutschte mir immer nur dieses „This is a great wine, buy it“ raus, und das sogar wenn ich etwas straight up shit fand.
So, das wollte ich hier erst mal klar machen, euch vermitteln und verbuchen. Ich hoffe hiermit ist alles geklärt und wir können uns mal den wichtigen, den richtigen, den ernsthaften, den legitten, den spannenden und den eigentlichen Themen witmen. Wein natürlich.
Domaine de Montille – Le Clos du Chateau 2018
Hiermit beginnt offiziell meine Sucht nach weißen Burgundern der niederen Preisklassen. Mit rotem Burgund bin ich natürlich schon bestens vertraut, also, naja, so 3-4 verschiedene hatte ich, aber das zählt ja trotzdem. Ich kenne mich im weißen Burgund gar nicht aus, weiß lediglich, dass Montrachet die teuerste und sicher auch hippste area ist, und dass es hauptsächlich Chardonnay gibt, aber teils auch Aligoté. Dann glaube ich behaupten zu können, dass das weiße High End Burgund noch deutlich teurer ist, als das rote, aber das kann ich weder unterschreiben noch bezeugen.
Dieser Wein hat mich sage und schreibe 19€ gekostet, kommt aus dem einzig teuersten Weißweindorf des Burgunds, wenn nicht sogar ganz Frankreichs und der Welt, Puligny-Montrachet. Obendrein ist die Flasche auf einem einzigen, 5 Hektar großen, eingemauerten Weinberg entstanden, welcher direkt unter der Burg im Zentrum des Dorfes angelegt wurde. Der Name ist hier also Program: Le Clos du Chateau – der eingemauerte Weingarten unter der Burg. Ich habe echt nicht viel erwarten können von diesem Wein, ein Dorf von diesem Kaliber produziert nicht einfach so einen Chardonnay für so wenig Geld aus einer Einzellage. Ich hätte mir so etwas wahrscheinlich nie gekauft, wenn es mir nicht von einem Freund empfohlen worden wäre, dafür an dieser Stelle noch mal ein fettes Danke, denn dieser Wein war wahrhaft großartig für sein Geld. In simplen Terms war der Wein eher Floral und Salzig, als dass er Fruchtig war, im Hintergrund hatte sich vielleicht so ein bisschen Citrus angesiedelt, aber war echt nicht der Rede wert. Auf der Zunge war er einfach richtig nice, wie ne Sprite, ohne Zucker und deutlich geschmackvoller, wieder floral, aber auch deutlich mineralisch, hohe Säure und viel Präsenz. Eine Bombe sondergleichen, für 19€ unglaublich stark. Ich bin addicted.
Weingut Künstler – Hochheimer Hölle Auslese GK 2010
Puuh, das hätte ich hier nicht erwartet. Ich habe hiervon ursprünglich 3 Flaschen gesnatched, je 22€ gezahlt auf Autkion. Klar, deutscher Süßwein ist nicht so wirklich beliebt, ist heut zu Tage eher als billig betrachtet, das kommt natürlich den echten Nerds und Nerdinnen, Süßzähnen und Brausebabbos zu gute, allerdings hätte ich nicht erwartet, für 22€ je Püllchen einen der besten Süßweine meines Weinjahres 2024 schlürfen zu dürfen. Am letzten Samstag kam mir einfach die Idee im Anschluss an meinen Burgunder eine Flasche dieser Goldkapsel zu öffnen, und ja, eine Goldkapsel ist natürlich die Top-Suppe im Auslese Bereich, aber bestimmt keine Qualitätsgarantie. Ich habe mir also meinen Korkenzieher des Vertrauens zur Hand genommen, drei mal am Flüssigkeitsbeinhaltenden Glaskolben mit güldener Plastikhaube gerieben, dem Behältnis gut zu geredet und meine drei Wünsche ausgesprochen. Den Korkenzieher in den Stopfen gezwirbelt und gekurbelt und den Korken mit Eleganz in einem Stück aus dem Flaschenhals gerissen. Das dickflüssige Rieslingsüppchen ins Zalto des Vertrauens fließen lassen und erst mal dran geschnuppert. Holy shit war meine erste Assumption bei dem Geruch, Mandeln, Honig, Wachs, nussig, Fruchtig in Richtung sehr ausgeprägter Zitrone, total geil, also wirklich, richtig geil. Zungentechnisch wars noch besser, brachiale Säure die richtig ballert, super feine Balance zwischen Süße und Säure, super citrisch aber auch wieder wachsig, dieses Mal mit Karamell und ganz viel Honig. Das war unglaublich geil, mein Hut ging mit maximaler Power ab.
Ja und das war mein letztes Wochenende, gar nicht mal so schlecht möchte ich meinen. Ab hier passiert alles auf deutsch, jeder Beitrag und jeder Instagram Post, jedes Video und jede Verzweifelung wird nun in meiner Muttersprache geteilt, publiziert und verbreitet. Es macht einfach so viel mehr Spaß, easy stuff.
Als Absacker gibt’s hier noch nen paar Bilder der letzten Tage und für mich einen meiner heißgeliebten Underberge. Cheers.